El Lado Oscuro

During our holidays in Santa Marta, we often commented on how safe we felt in comparison to Cali. We walked around the streets, with certain precautions but with more ease than in our chosen home. Yet while I was in Santa Marta, I experienced the dark side. Not of Colombia, but of humanity in general.

I was lying in bed in our hostel, already in pyjamas, when two of the helpers in the hostel asked me to come help them with a translation. My Spanish might not be perfect but it’s enough to help out, so I walked outside, barefoot and in pyjamas, to see another traveller from Norway and a Colombian woman standing on the porch. They asked me to follow them to the Colombian woman’s house, and I asked the other girl what she needed help with translating. She said the Colombian woman was a nurse and she needed help with translating a question.

The nurse asked me to translate the issue and then I noticed the bag of pills lying on the girls’ lap. The girl told me that she had been raped two days ago and that the pills were to prevent any infections. I must have stared at her for a few seconds before I could tell my facial muscles to get a grip and don’t make her uncomfortable. Meanwhile in my mind I connected parts of a story I had picked up in the hostel. That a girl had been taking a moto taxi and been taken somewhere else by this guy. I hadn’t paid more attention to it, but then I knew that it was the same girl. Plainly telling me that some stranger had forced himself onto her. The next fifteen minutes I learned a lot about this girl that I have never spoken to before. About how she had come to Colombia to build a new life. How she loved the people. How she had found a boyfriend here. About how something similar had happened to her in the past and how this has triggered a depression now. The nurse made me ask her all these private questions that are so normal in her profession, but which are just not in my vocabulary – both linguistically and mentally. How do you translate that someone doesn’t want to live feeling the way they do right now, sitting next to you?

In the silences when the nurse looked something up I tried to say something encouraging. I tried to say something nice. Maybe something trivial. For all I know I might have done a terrible job.

Lying in bed now, I feel like I have witnessed a crumbling building after a raging fire, hopelessly pouring water into the ashes from a water-can. I am a witness but there is nothing that can be done by me. I would like to think that I am taking enough precautions for something like that not to happen to me.

But this is not a Colombian problem. This is worldwide. This is the threat I talked about in my post about catcalling. This is something that more and more women are opening up about. It is something that is dragged into the light, by so many who have decided that in 2018, a story such as that of the Norwegian girl is sickening.

When you get to catch a glimpse of the dark side, maybe by peeking into other people’s vaults, you can’t help but feel off balance, dizzy by the darkness of human action.


Während unseres Urlaubs in Santa Marta kommentierten wir oft, wie sicher wir uns dort fühlten im Vergleich zu Cali. Wir liefen entspannt durch die Straßen, zwar mit ein paar Vorkehrungen aber mit einer Leichtigkeit, die wir in unserem Wahlheimatsort nicht haben. Aber als ich in Santa Marta war, sah ich auch die dunkele Seite. Nicht von Kolumbien, aber von der Menschheit im Allgemeinen.
Ich lag im Bett im Hostel, schon im Schlafanzug, wenn zwei Helfer, die im Hostel arbeiteten, mich fragten, ob ich ihnen mit einer Übersetzung helfen könnte. Mein Spanisch ist vielleicht nicht perfekt, aber es ist doch ausreichend genug, um zu helfen. Also lief ich nach draußen, barfuß und im Schlafanzug, und sah eine andere Reisende und eine kolumbianische Frau auf dem Bordstein stehen. Sie baten mich, mit zu dem Haus der Kolumbianerin zu gehen, und ich fragte, womit das Mädchen Hilfe bräuchte. Sie erzählte mir, dass die Kolumbianerin Krankenschwester sei und sie eine Frage hätte.
Die Krankenschwester ließ mich die Frage übersetzen, und erst da sah ich den Beutel mit Tabletten auf dem Schoß des Mädchens. Dann erzählte sie, dass sie vor zwei Tagen vergewaltigt worden war und dass die Tabletten dazu da seien, Infektionen vorzubeugen.

Ich muss sie einige Sekunden einfach angestarrt haben, bevor ich meinem Gesicht vermittelt hatte, dass es sich zusammenreißen soll, damit sie sich nicht unwohl fühlt. Währenddessen setzte ich in meinem Kopf die Geschichte zusammen, die ich schon die Tage zuvor aufgeschnappt hatte. Ich hatte gehört, dass ein Mädchen auf einem Mototaxi entführt worden war und woanders hingefahren wurde. Ich hatte nicht weiter zugehört, aber jetzt wusste ich, dass es das gleiche Mädchen war, das mir sachlich darlegte, dass sich ein Fremder ihr aufgezwungen hatte. In den folgenden fünfzehn Minuten lernte ich so viel über dieses Mädchen, mit dem ich vorher nie geredet hatte. Wie sie nach Kolumbien gekommen war, um sich ein besseres Leben aufzubauen. Dass sie die Leute in dem Land sehr schätzte. Dass sie einen festen Freund hier gefunden hatte. Und dass ihr in ihrer Vergangenheit etwas Ähnliches widerfahren war, und das dieses Ereignis etwas in ihr verändert hat und eine Depression zur Folge hatte. Die Krankenschwester bat mich, ihr noch weitere private Fragen zu stellen, die so normal in ihrem Beruf sind, aber welche einfach nicht in meinem Wortschatz sind – beides sprachlich und mental. Wie übersetzt man, dass jemand nicht mehr leben will wenn sie sich weiter so fühlt wie jetzt gerade?
In den Sprechpausen, in denen die Krankenschwester etwas nachschaute, versuchte ich, etwas Ermutigendes zu sagen. Etwas Nettes. Vielleicht etwas Belangloses. Soweit ich weiß kann es sein, dass ich kläglich gescheitert bin.
Während ich jetzt im Bett liege, fühle ich mich, als hätte ich ein Haus zusammenstürzen sehen nachdem ein Feuer drinnen gewütet hat, und ich gieße verzweifelt Wasser von einer Gießkanne in die Asche. Ich bin eine Zeugin aber es gibt nichts, was ich tun kann. Ich möchte glauben, dass ich genug Vorsichtsmaßnahmen treffe, damit mir so etwas nicht passiert.
Aber das ist kein kolumbianisches Problem. Es ist ein weltweites Problem. Das ist die Drohung, von der ich in meinem Post über Catcalling rede. Das ist etwas, über das mehr und mehr Frauen öffentlich reden. Das ist etwas, dass ins Licht gezerrt wird, von denjenigen, die finden, dass es abartig ist, dass so eine Geschichte wie der der Norwegerin in 2018 passieren kann.
Wenn man einen Blick auf die dunkle Seite erhascht, sei es, weil man in die Tiefen anderer Personen schaut, kommt man nicht drum herum, sich durcheinander zu fühlen, schwindelig durch die Finsternis menschlicher Handlungen.

elladooscuro

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