A Moment to Breathe Easily

It’s a Sunday afternoon. Dark grey rainclouds hang gloomily over the mountains surrounding Cali as I stroll over the boulevard bridge leading towards the supermarket. Below me Cali’s river burbles and frames the benches and bars stretching out on the sidewalk. As the sun sets at more or less 6 o’clock every evening the light is already announcing the sunset and throwing impressive shadows on the few clouds drifting over my head. I quickly check the people passing me and those standing a few meters ahead on my way, and I consciously let down my guard. I actively search out the switch in my head, take a deep breath, pull the lever and let my mind wander for a few seconds. A few seconds, no more, to let the setting and the mild air carry me away to memories of early summer back home, of walks in the park with my sister when we were little, of the prospect of spending time with my friends at home again in summer, sprawling out on a blanket in the park. I also remember walking around my hometown while listening to music, not so much looking around but listening to and getting my thoughts in order. When I reach the end of the bridge I see two young men walking up to me and I quickly draw the curtain of my internal show, and I notice how the familiar alertness returns.

Don’t get me wrong, I don’t necessarily think that every other person on the street has bad intentions or that I feel unsafe all of the time. But it’s here in Colombia that I truly understand the saying “Opportunity makes a thief”. If you display your valuables and run around with your head in the clouds, nobody is going to feel sorry when you tell them you got robbed. Most people would agree that it’s a perfect opportunity, and that you were basically asking to be robbed. Moreover, even if you are most alert, you can still get robbed. It is just an additional precaution to not provide a target. And still, it feels so nice to breathe easily from time to time.


Es ist Sonntag Nachmittag. Dunkle Regenwolken hängen über den Bergen, die Cali umgeben, während ich über die Brücke am Boulevard schlendere, die zum Supermarkt führt. Unter mir gurgelt Calis Fluss und rahmt die Bänke und Bars auf dem Fußgängerweg ein. Da die Sonne hier immer ungefähr um 6 Uhr abends untergeht verkündet das Licht bereits den nahenden Sonnenuntergang und wirft beachtliche Schatten auf die vereinzelten Wolken, die über mir schweben. Ich schaue mich schnell um und mustere die Leute, die um mich herum und kurz vor mir laufen, und ich lasse bewusst meine Aufmerksamkeit schweifen. Ich suche aktiv den Hebel in meinem Kopf, atme tief ein, und ziehe ihn, lasse meine Gedanken für ein paar Momente schweifen. Ein paar Sekunden, nicht mehr, um mich von der Umgebung und der milden Luft tragen zu lassen, weg zu Erinnerungen vom Frühsommer in der Heimat, zu Spaziergängen im Park mit meiner Schwester, als wir jung waren, und zu der Aussicht, im Sommer wieder Zeit mit meinen Freunden von Zuhause zu verbringen, auf einer Decke im Park liegend. Ich denke auch daran, mit Musik auf den Ohren durch meine Heimatstand zu laufen, und dabei nicht so sehr auf meine Umgebung zu achten sondern einfach meinen eigenen Gedanken zuzuhören und sie zu sortieren. Als ich das Ende der Brücke erreiche und zwei junge Männer auf mich zugehen sehe, ziehe ich schnell den Vorhang meiner kleinen mentalen Show zu und ich merke, wie meine altbekannte Achtsamkeit zurückkehrt.

Versteht mich nicht falsch, ich denke nicht unbedingt, dass jede zweite Person auf der Straße böse Absichten hat oder dass ich mich ständig unsicher fühle. Aber es war hier in Kolumbien, dass ich das Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ so richtig verstand. Wenn man seine Wertsachen offensichtlich mit sich herumträgt oder den Kopf in den Wolken hat, dann wird niemand dich bedauern, wenn erzählst, dass du beraubt wurdest. Viele Leute würden zustimmen, dass es die perfekte Gegebenheit war, und dass du quasi darum gebeten hast, ausgeraubt zu werden. Außerdem kann man teilweise so aufmerksam sein, wie man will, und man wird trotzdem ausgeraubt. Es ist nur eine extra Vorsichtsmaßnahme, um keine Angriffsfläche zu bieten. Und trotzdem, es fühlt sich so schön an, ab und zu einfach aufatmen zu können.

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